Beispielprojekt

Für eine Bachelorarbeit von 45 Seiten müssen Sie ca. 360 Arbeitsstunden und für eine Masterarbeit von ca. 100 Seiten müssen Sie ca. 500 Arbeitsstunden veranschlagen. Da das Studium in der Regel nicht auf eine so exzessive, schreibende Tätigkeit vorbereitet, haben viele Studenten erhebliche Probleme bei der Umsetzung.

Arbeitsschritte – von der Loseblattsammlung zur Mustervorlage?

Ihre Arbeit dient dem einmaligen Nachweis der Fähigkeit des Erstellens einer wissenschaftlichen Arbeit. Zunächst sollten Sie verstehen, dass Ghostwriting eine überwiegend handwerkliche Tätigkeit ist.

Abb1Abb. 1 – Bearbeitungsschritte bei der Erstellung einer Mustervorlage

Die in Abb. 1 angegebenen Prozentzahlen beziehen sich auf ein Beispielprojekt für eine Mustervorlage mit einem geplanten Umfang von 45 Seiten zu einem wirtschaftswissenschaftlichen Thema. Folgende Annahmen seien getroffen: Der Ghost erhält als Vorlage 20 Seiten Text mit Fußnoten und eine fehlerhafte aber abgestimmte Gliederung. Die Vorlage sei sprachlich mangelhaft, aber die Recherche zu sechzig Prozent in Ordnung. Das Projekt wurde initiiert, weil der Kandidat trotz intensiver Bemühung nicht in der Lage war, das Material sinnvoll zu gliedern und die Gefahr bestand, dass das Projekt aus dem Ruder lief. Sechs Wochen vor Abgabe entschließt er sich, Unterstützung in Anspruch zu nehmen.

Betrachten Sie in der Tortengrafik die explodierten Kuchenstücke. Sie können diese unter den Begriffen Korrektorat, Lektorat und Sekretariat zusammenfassen. Grundsätzlich sind solche Arbeitsschritte bei zeitkritischen Projekten dazu geeignet, durch eine dritte Person erledigt zu werden. Letzteres gilt auch für die statistische Aufbereitung von Zahlen.

Für die nicht explodierten Teile der „Torte“ empfiehlt es sich, diese einem Ghostwriter zu übergeben. Hier handelt es sich um den Kern Ihrer Arbeit. Werden auch diese Arbeitsschritte geteilt, steigt der Abstimmungsaufwand exponentiell.

Wie lässt sich die Qualität der Musterarbeit sicherstellen?

Beim Schreiben wissenschaftlicher Arbeiten sollte der Ghost über den fachlichen Hintergrund im jeweiligen Studienfach verfügen. Agenturen fordern daher einen Prädikatsabschluss und setzen Ihre freien Mitarbeiter nur im Rahmen Ihres Spezialgebietes ein.

Lesen

Wenn die Vorlage nicht mindestens so gut ist, dass nur kleinere Ergänzungen erforderlich sind, kommt der Ghost nicht umhin, sich in die Fragestellung genauer einzulesen. Wenn bereits Quellenmaterial in elektronischer Form geliefert wurde, vereinfacht dies die Bearbeitung.  Passende Textstellen können dann mit der Search-Funktion schneller aufgefunden werden, als bei sequenziellem Lesen bzw. Überfliegen in Büchern.

Natürlich geht es hier nicht darum per Paste und Copy zu plagiieren, sondern darum interessante Gedanken in der Literatur aufzuspüren. Diese werden dann in eigener Formulierung und ergänzt durch eigene Überlegungen und ggf. auch ergänzt durch hierfür recherchiertes Zahlenmaterial in die Arbeit eingebunden.

Anfang, Schluss und Kapitelzusammenfassungen

Hier lassen sich einfach Texte formulieren, wenn die Substanz in der Vorlage bereits vorhanden ist. Schwierig wird es jedoch, wenn die Substanz der Vorlage fehlt und der Ghost tief in die Recherche eingestiegen muss. Der Aufwand ist dann schwer kalkulierbar. Hierauf geht ggfs. nach Begutachtung der Vorlage das Angebot ein.

Anfang, Schluss und Kapitelzusammenfassungen sind der geeignete Ort, um nach Abschnitten mit sachlicher Darstellung einen eigenen, kritischen und vielleicht überraschenden Schlussgedanken hinzuzufügen. Es lassen sich fast zu jedem Thema kritische Stimmen und Gegenmeinungen finden. So lässt sich textlich darstellen, dass Sie über eigene Urteilskraft verfügen und eine wissenschaftlich fundierte Meinung haben.

Übungsvorsprung des Ghosts und Leistungsdruck für Kandidaten

Der Ghost kommt aufgrund seiner Übung schneller voran, als ein Kandidat, der zum ersten oder zweiten Mal eine wissenschaftliche Arbeit erstellt. Schätzungsweise ist der Ghost zwei bis dreimal schneller. Auch steht der Ghost nicht unter dem gleichen Leistungszwang. Wer persönlich in das Ergebnis der Arbeit involviert ist, wird dadurch mitunter im Arbeitsfluss gehemmt. Oft ist der Kandidat stark darauf fokussiert Fehler zu vermeiden, was sich negativ auf den Aufwand auswirkt.

Recherche

Warum braucht ein Autor manchmal Jahre um ein Buch zu schreiben? Der Grund kann sein, dass die Recherche des Hintergrundmaterials mit erheblichem Aufwand verbunden ist. Andrew Crafts, einer der bekanntesten Ghostwriter weltweit, schrieb fünfzig überwiegend autobiografische Werke Prominenter und von Menschen mit interessanter Lebensgeschichte. In seinem Buch „Ghostwriter“ gibt er an, dass etwa 20 Stunden Interviewzeit in der Regel ausreichend sind, um genügend Material für eine Biografie zu sammeln. Die Interviews wurden von Crafts in der Regel auf Tonband aufgezeichnet und dann beim Schreiben der Biografie als Arbeitsgrundlage verwendet.

Natürlich ist dies nicht direkt mit akademischem Ghostwriting zu vergleichen. Richtig ist jedoch, dass der Aufwand des Ghostwriters sich ganz erheblich danach richtet, wie gut die Vorlage ist. Wieweit hat der Kunde bereits recherchiert und wie gibt er seine Informationen und Textproben an den Ghost weiter? Ist der Materialstand gleich null, wird ein Angebot für eine Mustervorlage wahrscheinlich auf konzeptionelle Phase und Umsetzungsphase zweigeteilt werden müssen.

Texterstellung und Inhaltsprüfung

Entscheidend für die termingerechte Erstellung ist eine disziplinierte Arbeitsweise. Zwischen 4 und maximal 10 Stunden pro Tag zu regelmäßigen Arbeitszeiten beginnend in der Früh und an abgeschiedenem und ruhigem Platze zu reservieren, ist keine schlechte Idee. Auch Tageszwischenziele von 1 bis max. 5 Normseiten sind realistisch.

Es steht nicht im Fokus eines wirtschaftswissenschaftlichen Studiums, Texte zu formulieren. Hier ist eine journalistische Ausbildung des Ghosts hilfreich. Journalistische Texte sind aber Gebrauchstexte. Es gibt jedoch Regeln für guten oder schlechten Text, die für journalistische Texte und wissenschaftliche Texte beiderseits gelten.

Ein praktisches Beispielprojekt für eine Mustervorlage

Kommen wir noch mal zurück auf das in Abschnitt 1 beschriebene Beispiel. Die Vorlage für den Ghost könnte 19 Seiten mit 50.000 Zeichen inkl. Leerzeichen und ohne Fußnoten lang sein. Für Bearbeitung und Fertigstellung der Arbeit zu einer fünfundvierzigseitigen Vorlage würden etwa drei Zeitwochen zu veranschlagen sein. Nach der Hälfte der Zeit (10 Tage) und einer Vielzahl von Arbeitsschritten erreichte die Arbeit den formalen Stand in Abb. 2.

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Abb. 2 Arbeitsstand nach 10 Tagen: 39 Seiten mit 95.000 Zeichen (ohne Verzeichnisse)

Die ursprüngliche Vorlage ist als blauer Text angedeutet. Sie wäre wahrscheinlich nach Überarbeitung auf 15 Seiten gekürzt, lektoriert und korrigiert worden, die Fußnoten wären aufbereitet und geprüft worden. Das Inhaltsverzeichnis wäre überarbeitet, das Literaturverzeichnis und das Abbildungsverzeichnis wäre eingefügt. In die Arbeit eingearbeitet wären möglicherweise das in der Vorlage fehlende Zahlenmaterial, das recherchiert und z. T. grafisch illustriert wäre. Farblich nicht unterlegter Text wär bis auf die Endkorrektur fertigerstellt. Zu diesem Zeitpunkt sollten etwa 30 Seiten in Rohfassung vorliegen.

Die Abbildung enthält auch dunkelgraue Flächen. Dies wären Textteile, für die bereits Textmuster und Ideenkonzepte vorhanden sind, die jedoch noch intensiv überarbeitet werden müssten. Allerdings wäre der Inhalt dieser grauen Teile bereits grob festgelegt. Die gelb unterlegten Texte wären sprachliches Neuland. Weder Inhalt noch Text sind irgendeiner Form festgelegt. Allerdings handelte es sich bereits um Textblöcke, die thematisch einer Überschrift zugeordnet sind. Der dort aufgeführte Text ist ein Platzhaltertext, der in erster Linie der Layoutgestaltung des Gesamtwerkes dient.

Zur Abstimmung würde der Ghost diesen Arbeitsstand an den Kunden schicken und ggfs. die Änderungswünsche des Kunden aufnehmen. Das Layout stellt ab hier eine Art tägliche Roadmap zur Texterstellung für den Ghost dar. Die finale Version hätte dann inklusive aller Fußnoten etwa 55 Seiten mit 125.000 Zeichen. Etwa weitere 10 Tage später wäre die Vorlage erstellt.

Ich hoffe, Sie haben einen Einblick in den Prozess des akademischen Ghostwriting erhalten, sodass Sie jetzt verstehen, wie Ghostwriting funktioniert.